Öffentlicher Appell an die kroatische Regierung für die Entlassung von Kulturminister Zlatko Hasanbegović

Einführung

 
Die neulich ins Amt eingeführte kroatische Regierung hat als Kulturminister Herrn Zlatko Hasanbegović berufen. Wir stellen fest, dass er keinerlei Erfahrung auf dem Kultursektor hat und extreme politische Ansichten vertritt.

Herr Hasanbegović hat den Antifaschismus als eine leere Phrase bezeichnet, und zwar öffentlich, sechs Monate vor seiner Berufung zum Minister für Kultur.

Er war in seiner Jugend Mitglied des HOP (Kroatische Befreiungsbewegung), einer militanten faschistischen Organisation, gegründet vom Führer des Ustascha-Regimes, das im Zweiten Weltkrieg mit den Nationalsozialisten kollaborierte. Herr Hasanbegović hat bestritten, Mitglied des HOP gewesen zu sein, aber inzwischen ist bekannt geworden, dass die Web-Seite, die seine Aussagen dokumentiert, geändert worden ist.

Neuerdings wurde zudem entdeckt, dass Herr Hasanbegović als freier Mitarbeiter in der Zeitschrift NDH („Unabhängiger Staat Kroatien“ – ein von den Ustašas geführter Quisling-Staat) Beiträge verfasst, in welchen er nazistische Werte und ‚Helden’ verherrlicht hat. 1996 schrieb Zlatko Hasanbegović zumindest zwei Artikel [1] für diese Monatsschrift, in der das Werk und die Ideen von Ante Pavelić propagiert und die vom faschistischen Unabhängigen Staat Kroatien begangenen Verbrechen systematisch geleugnet werden.

2012 bezeichnet Herr Hasanbegović bei einer öffentlichen Ansprache das Ende des NDH als größte Tragödie und Niederlage Kroatiens, und im Jahr 2013 trat er öffentlich für die Rehabilitierung eines Imams ein, der in der 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS ‚Handschar’ gedient hat (sie war Teil der Waffen-SS und kämpfte an der Seite der Wehrmacht).

Außerdem verlegt Herr Hasanbegović Bücher, welche den Nationalsozialismus und den Faschismus relativieren. 

Minister Hasanbegović hat inzwischen unter dem Druck der Öffentlichkeit eine Erklärung abgegeben, in der er sich als Antifaschist und Antitotalitarist bezeichnet, aber diese Aussage war erzwungen, unaufrichtig und wenig überzeugend, was seine Aussagen über Kroatien bezeugen, zum Beispiel jene, dass das Land nur in einem Krieg im 20. Jahrhundert gesiegt habe, nämlich in jenem 1991-1995.
   
Nachdem Herr Hasanbegović das Amt des Kulturministers übernommen hatte, nahm er von den Ideen und Aussagen, die er vertrat, nicht Abstand. Er fährt fort, kroatische Kulturschaffende und Künstler zu beleidigen, die er verächtlich als „Exhibitionisten“ und „lächerliche Straßenkünstler“ bezeichnet. Er hat verkündet, sein politisches Programm bestehe in der Bildung eines uniformen Kulturparadigmas, das der Homogenisierung der Nation dienen solle, und zur Eliminierung jedweden Dissenses und jeder Opposition zu den Werten, welche er befördert. Wir sehen darin das Auftauchen einer ernsten Bedrohung der Pluralität, der kulturellen und der künstlerischen Kreativität, sowie der Autonomie der kulturellen Sphäre und der Freiheit des Wortes.

Sofort nach seiner Berufung hat eine breite Koalition von Kulturschaffenden und Künstlern in Kroatien (kulturnjaci2016.org) von der kroatischen Regierung verlangt, Herrn Hasanbegović zu entlassen, in einem Appell, der von mehr als 3.500 bekannten Künstlern, Kulturschaffenden und Bürgern unterzeichnet wurde. Der Appell bestreitet nicht das Recht einer Person, bestimmte Positionen und politische Ansichten zu vertreten, sondern er ist vielmehr ein Aufruf zum Widerstand gegen eine Politik der Relativierung des Faschismus, und er vertritt die Idee einer Kultur, welche frei ist von irrigen Ideen, Konservativismus, Nationalismus und Intoleranz.  

Aus diesen Gründen bitten wir Sie, uns bei unseren Bemühungen zu unterstützen, die Bedrohung der Freiheit von Kreativität und Ausdruck abzuwehren, ebenso wie bei unserer Forderung, Herr Hasanbegović möge aus seinem Amt als Minister für Kultur der Republik Kroatien entlassen werden.

Bitte zeigen Sie Ihre Unterstützung des Aufrufs Kulturnjaci 2016 durch eine E-Mail mit Ihrer Unterschrift und Berufsbezeichnung/Affiliation an die Adresse kulturnjaci2016@gmail.com

[1] Hasanbegović: Ustashas are heroes, martyrs and shaheeds

 
 

Öffentlicher Appell an die kroatische Regierung für die Entlassung von Kulturminister Zlatko Hasanbegović

 

Wir Kulturschaffende und Initiatorinnen wie Initiatoren dieses Appells wehren uns mit Entschlossenheit gegen die Ernennung Zlatko Hasanbegovićs zum Kulturminister durch die neue Regierung. Unserer Meinung nach geht es um einen völlig inkompetenten Wissenschaftler mit ideologisch fragwürdigen, ultrareaktionären Ansichten, der über den notwendigen Sachverstand, kulturelle Institutionen in diesem Ausmaß zu verwalten, keineswegs verfügt und dem jegliches Wissen um die Mechanismen lokaler, nationaler und internationaler Zusammenarbeit sowie der Nutzung europäischer Fonds fehlt. Seine Ernennung ist symptomatisch für die fortschreitende Bedrohung und Entwürdigung all dessen, was Kultur in unserem Land ausmacht.

Wir sind der Überzeugung, dass die Kultur gegen alle Ideologien verteidigt werden muss, die auf irgendeine Art und Weise ein gleichschalterisches, engstirniges und revisionistisches Regime zu errichten versuchen, wie auch gegen nationalistische Konzepte der Kulturpolitik und –Produktion. Eine der Grundsätze des Humanismus beraubte und im Staub der Diktatur gewälzte Kultur ist keine Kultur der Freiheit, sondern lediglich ein Medium des politischen Pragmatismus.

Wie sollen Kulturschaffende, Kulturarbeiterinnen und –Arbeiter Vertrauen in den neuen Minister setzen, der in seinen bisherigen öffentlichen Auftritten unter anderem das Dritte Programm des Kroatischen Radios einer „postmodernen neojugoslawischen Dekonstruktion und Zersetzung der nationalen und kulturellen Identität Kroatiens“ beschuldigte?

Dieser Appell richtet sich nicht gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung einer Einzelperson, sondern gegen eine Politik der Relativierung und der Doppeldeutigkeit, die diese Person vertritt. Wir fordern nichts weniger als den Schutz unserer Kultur und ihre Bewahrung vor den ideologischen Entgleisungen eines zersetzenden nationalen Konservatismus, der humanistische Werte mit Füßen tritt.

Dieser Appell wurde von einer aus Bürgerinnen und Bürgern, Kulturschaffenden, Kulturarbeiterinnen und -Arbeitern bestehenden Gruppe verfasst, die die Fähigkeit, über den nationalen Tellerrand zu schauen, das Andere und Andersartige zu verstehen, das antifaschistische Erbe zu schätzen, die Kultur und Gesellschaft als eine heterogene Verbindung von Verschiedenheiten aufzufassen und eine offene Sprache wie auch einen offenen Dialog zu fördern, als wichtiger für den Posten des Kulturministers erachtet als wissenschaftliche Artikel und Arbeiten.

Aufgrund der genannten Gründe glauben wir, dass Zlatko Hasanbegović weder Kulturminister sein kann noch sein darf und fordern vom Regierungschef der Republik Kroatien, Tihomir Orešković, entsprechende Schritte einzuleiten.

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